Arbeitssicherheit in der Großküche
Arbeitssicherheit in der GroßkücheWenn's heiß hergeht
von Holger Schmidt
und Dominik Buschardt
Der Fels in der Brandung
Der 35-Jährige versucht, der Fels in der Brandung zu sein. Er koordiniert und weist an. Er beauftragt seine Mitarbeiter: zwei Filets Mignons und ein Sirloin Steak, einen „BBQ-Jackfruit Burrito“ und einen Salat „Four Seasons BBQ“, einen „Old School Burger“ und einen „Mother Earth Burger“, zweimal Pommes, einmal Süßkartoffel-Pommes und einmal gebackene Kartoffelstreifen.
Zwei Welten treffen aufeinander
Bons für die Bestellungen
Fertig? Dann raus damit! An einem gut besuchten Abend können schon einmal 200 Essen zusammenkommen.
Ein "Trick" gegen Stress
Viel lernen und Geduld haben
Als Ratnayake vor etwas mehr als fünf Jahren nach Deutschland zog, musste er dennoch wieder bei Null anfangen. Vor dreieinhalb Jahren, als in Kassel die zweite von aktuell drei Timberjacks-Filialen eröffnete, fand er eine neue berufliche Heimat.
Sein Wissen gibt er an die Küchenmitarbeiter weiter – so wie er vor 14 Jahren in Italien seine Fertigkeiten von einer Chefköchin gelernt hat. Gerade die Anfangszeit sei sehr hart, aber auch lehrreich gewesen. „Für mich ist es einer der schwierigsten Berufe der Welt“, sagt er. Wer ein guter Koch werden wolle, müsse viel lernen und Geduld haben. Das gilt auch für neue Mitarbeiter, die langsam herangeführt und eingearbeitet werden. Sicherheit hat Vorrang.
"Niemand kocht am Anfang"
Auf das Team kommt es an
In die gleiche Kerbe wie ihr Küchenchef schlägt die Natalia Sengül. Sie ist als stellvertretende Betriebsleiterin für die Abläufe und die Arbeitssicherheit verantwortlich. Unter anderem erstellt sie die Schichtpläne. Denn neben den 25 Mitarbeitern in der Küche sorgen 25 bis 30 Angestellte im Servicebereich – also Empfang, Bar, Bedienung – dafür, dass der Betrieb im Kasseler Timberjacks läuft.
Barbecue und Bullenreiten
In erster Linie sollen die Menschen aber wegen des Essens nach Kassel, Göttingen oder Siegen (weitere Timberjacks-Filialen befinden sich bereits im Bau oder sind in Planung) kommen.
Steaks und Salate
Schulung für das Team
Als Schichtleiterin hat sich Natalia Sengül zusammen mit weiteren Kollegen aus den Filialen in Göttingen und Siegen zur Sicherheitsbeauftragten fortgebildet. Rolf Schwebel ist bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) als Branchenkoordinator für das Gastgewerbe und Aufsichtsperson tätig. Er hat die Schulung für die Sicherheitsbeauftragten inhouse durchgeführt. „Ich mache das gerne im Betrieb vor Ort“, sagt er. So bleibt es nicht bei der grauen Theorie, sondern wird anhand der Gegebenheiten im Restaurant ganz anschaulich. Also: erklären, vormachen, nachmachen lassen und gegebenenfalls korrigieren.
Zum Lehrgang gehören die Grundlagen: Wie erstelle ich eine Gefährdungsbeurteilung? Wie unterweise ich richtig? Aber auch Tipps und Hinweise zur Gesprächsführung, zur Betriebsorganisation (Ersthelfer, Brandschutzhelfer), zu Dokumentationspflichten, zu Brandschutz und Strom, zur Schankanlage oder zur Verwendung der persönlichen Schutzausrüstung (PSA). „Es geht darum, Unfälle und Belastungen zu vermeiden“, sagt Schwebel.
Welchen Stellenwert hat die Arbeitssicherheit?
Zahlen und Fakten
Dazu zählten SRS-Unfälle (also Stolpern, Rutschen, Stürzen), Verbrühungen mit kochendem Wasser oder heißem Fett, Verbrennungen an heißen Oberflächen oder durch offenes Feuer, Haut- oder Augenkontakt mit gefährlichen Stoffen wie Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln, Stromunfälle bei Verwendung von Elektrogeräten sowie Brand, Verpuffung oder Explosion bei der Verwendung von Gasanlagen. Mit Abstand die meisten Arbeitsunfälle passierten aber im Umgang mit Handwerkzeugen: 60 Prozent der Arbeitsunfälle in der Küche waren Verletzungen an Messern oder ähnlichen Werkzeugen.
Um Unfällen vorzubeugen, muss Küchenchef Naveen Ratnayake deshalb insbesondere Quereinsteiger und Neulinge im richtigen Umgang mit Messern akribisch unterweisen.
Wie schneide ich richtig?
Kontrollen in jeder Filiale
Regelmäßig kommt ein internes Timberjacks-Team in jede Filiale, um die Hygiene, Arbeits- und Gerätesicherheit zu kontrollieren. Vom Stabmixer über den Fleischwolf bis hin zu den Kühlschränken werden dabei alle Geräte in Augenschein genommen. Abgenutzte Messer werden bei der Begehung entsorgt und durch neue ersetzt.
Deshalb erhöht ein scharfes Messer die Sicherheit
Verschiedene Stationen
Auch bei den anderen, voneinander abgegrenzten Stationen gibt es klare Zuteilungen. Ein Bereich ist speziell für die Zubereitung von Burgern ausgestattet, in der Tex-Mex-Ecke werden Fajitas, Burritos und Salate zusammengestellt, in der Beilagenecke steht die Fritteuse für Pommes und Co., in der Backstube werden Kuchen, Eiscreme und Desserts hergestellt.
Außerdem gibt es einen Bereich für vorbereitende Arbeiten. „Die Vorbereitung spielt eine große Rolle in unserer Küche“, sagt Naveen Ratnayake. Dazu gehören zum Beispiel die Zubereitung der 20 hauseigenen Soßen oder das Vorbereiten der Patties für die Burger, aber auch zum Beispiel die Warenwirtschaft, die Rohwarenbehandlung und die Kalkulation.
Angesichts der verschiedenen Aufgaben und Stationen spielt eine Sache eine wesentliche Rolle…
Ordnung muss sein...
... Sauberkeit auch
Jede der Stationen in der Küche ist zudem mit einem kleinen Schrank ausgestattet. Darin finden die Beschäftigten Putzlappen und Desinfektionsmittel, um die Arbeitsplatten und -tische bei Bedarf zu reinigen und zu desinfizieren.
Warum das so wichtig ist, erklärt Naveen Ratnayake im Video.
Lecker - mit Sicherheit
Zeigt her eure Hände
Zur Hygiene in der Küche zählt neben der eigenen Sauberkeit sowie der Reinigung der Arbeitsplätze und -flächen außerdem der richtige Umgang mit den Lebensmitteln.